KI-Systeme gehören zunehmend zum Arbeitsalltag: Sie fassen Texte zusammen, recherchieren Informationen, analysieren Dokumente oder erstellen erste Entwürfe. Für Unternehmen, Behörden, Justiz und kirchliche Organisationen entsteht damit eine konkrete Aufgabe: Mitarbeitende müssen KI sicher, kritisch und passend zu ihrer Rolle einsetzen können.

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Artikel 4 des EU AI Acts macht KI-Kompetenz deshalb zur organisatorischen Pflicht. Anbieter und Betreiber von KI-Systemen sollen sicherstellen, dass die beteiligten Personen über ein angemessenes Maß an Wissen und Fähigkeiten verfügen. Dabei zählen unter anderem Vorkenntnisse, Erfahrung, Ausbildung, Einsatzkontext und die betroffenen Personengruppen.

Die wichtigste Aussage: Eine einmalige KI-Schulung genügt nicht. Wirksam wird KI-Kompetenz erst, wenn Lernen, klare Regeln, anwendungsbezogenes Wissen und erreichbare Fachleute dauerhaft zusammenspielen. Westernacher Solutions versteht das nicht nur als regulatorische Aufgabe, sondern als Voraussetzung für einen verantwortungsvollen, sicheren und sinnvollen KI-Einsatz.

Was bedeutet KI-Kompetenz nach dem EU AI Act?

KI-Kompetenz – im EU AI Act als „AI Literacy“ bezeichnet – bedeutet nicht, dass alle Beschäftigten Sprachmodelle programmieren oder ihre Mathematik erklären können müssen.

Entscheidend ist, dass Menschen die Funktionsweise und Grenzen der von ihnen genutzten Systeme in Grundzügen verstehen. Sie sollen Risiken und Fehlanwendungen erkennen, Ergebnisse kritisch prüfen, zulässige Daten unterscheiden und ihre Verantwortung im jeweiligen Arbeitskontext kennen.

Das ist besonders wichtig, wenn sensible Informationen verarbeitet werden oder KI-Ergebnisse erhebliche Auswirkungen haben können – etwa in Justiz, öffentlicher Verwaltung oder kirchlichen Organisationen.

Beispiel: Ein KI-Assistent kann eine überzeugende Zusammenfassung erstellen und dennoch eine Frist, Ausnahme oder Quelle falsch wiedergeben. KI-Kompetenz zeigt sich dann darin, das Ergebnis nicht ungeprüft zu übernehmen, kritische Angaben mit der Originalquelle abzugleichen und keine ungeeigneten vertraulichen Daten einzugeben.

Warum nicht alle dieselbe KI-Schulung brauchen

Der EU AI Act verlangt keine einheitliche Schulung für alle. Das erforderliche Kompetenzniveau richtet sich nach dem eingesetzten KI-System, dem Anwendungskontext, den Risiken und der tatsächlichen Rolle einer Person.

In der Praxis lässt sich zwischen grundlegender und rollenbezogener KI-Kompetenz unterscheiden:

  • Anwendende brauchen Grundwissen zu Chancen, Grenzen, Datenschutz, zulässigen Werkzeugen und zur Prüfung von Ergebnissen.
  • Projektverantwortliche und Führungskräfte müssen zusätzlich Risiken bewerten, Verantwortlichkeiten festlegen und geeignete Kontrollen organisieren.
  • Entwicklungs- und Betriebsteams benötigen vertieftes Wissen zu Datenqualität, Modellverhalten, Sicherheit, Dokumentation, Überwachung und menschlicher Aufsicht.

Wer einen KI-Assistenten für Entwürfe nutzt, braucht daher andere Kenntnisse als jemand, der ein KI-basiertes Produkt entwickelt, ein Kundenprojekt verantwortet oder den laufenden Betrieb überwacht.

Entscheidend ist nicht die Berufsbezeichnung, sondern die konkrete Aufgabe im Umgang mit KI.

Wie Westernacher Solutions KI-Kompetenz kontinuierlich aufbaut

Westernacher Solutions versteht KI-Kompetenz nicht als einmalige Pflichtschulung. Wissen muss im Arbeitsalltag verfügbar bleiben und sich mit Werkzeugen, Einsatzszenarien und regulatorischen Anforderungen weiterentwickeln.

Unser Ansatz verbindet vier Bausteine:

  1. Grundlagen vermitteln: Regelmäßige Schulungen behandeln unter anderem den praktischen Umgang mit Microsoft Copilot Chat und den verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Entwicklung.
  2. Wissen verfügbar halten: Aufzeichnungen, Informationen und Dokumentationen ermöglichen es, Inhalte später erneut aufzurufen.
  3. Rollenbezogen vertiefen: Teams erhalten das Wissen, das sie für ihre konkreten Aufgaben, Systeme und Risiken benötigen.
  4. Fachliche Unterstützung sichern: Bei komplexen Fragen stehen gebündelte Expertise und klare Anlaufstellen zur Verfügung.

So wird KI-Kompetenz nicht nur während einer Schulung vermittelt, sondern in Prozesse, Projekte und tägliche Entscheidungen eingebettet.

Wie aus individuellem Wissen gemeinsame KI-Kompetenz wird

Schulungen sind nur ein Teil einer tragfähigen Kompetenzstrategie. Ebenso wichtig sind gemeinsame Standards, dokumentiertes Wissen und der Zugang zu Fachleuten.

Westernacher Solutions bündelt KI-Expertise im Competence Center für KI. Dieses Wissen fließt in die Befähigung unserer Mitarbeitenden sowie in Projekte, Produkte und die Beratung unserer Kunden ein.

Damit verbinden wir zwei Perspektiven: Beschäftigte sollen freigegebene KI-Werkzeuge sicher und kritisch nutzen können. Teams, die KI-Lösungen entwickeln, betreiben oder in Kundenprojekten einsetzen, brauchen darüber hinaus vertieftes technisches, organisatorisches und regulatorisches Wissen.

Gemeinsame KI-Kompetenz bedeutet nicht, dass alle alles wissen. Sie entsteht, wenn Menschen das Wissen für ihre Aufgabe besitzen, Grenzen erkennen und wissen, wo sie zusätzliche Expertise erhalten.

Warum Artikel 4 des EU AI Acts eine Chance ist

Die Pflicht zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 gilt seit dem 2. Februar 2025. Organisationen sollten deshalb nachvollziehbar festlegen, welche KI-Systeme genutzt werden, welche Rollen beteiligt sind, welches Wissen erforderlich ist und wie dieses Wissen aufgebaut und aktuell gehalten wird.

Wer KI-Kompetenz nur als Compliance-Aufgabe behandelt, greift jedoch zu kurz. Richtig umgesetzt stärkt sie die Qualität von Entscheidungen, reduziert Fehlanwendungen und schafft Vertrauen in neue Werkzeuge.

Mitarbeitende können KI selbstbewusster ausprobieren, Ergebnisse gezielter hinterfragen und Risiken früher erkennen. Organisationen gewinnen zugleich eine belastbare Grundlage, um KI nicht punktuell, sondern langfristig und verantwortungsvoll in ihre Arbeit zu integrieren.

Gerade Behörden, Justiz und andere Organisationen mit besonderer Verantwortung gegenüber Bürgerinnen und Bürgern profitieren von einem strukturierten Ansatz. Ergänzende Einordnungen finden Sie in unseren Beiträgen zum EU AI Act für Unternehmen, zu Souveränität und Künstlicher Intelligenz sowie zu vertrauenswürdiger KI in der Verwaltung.

Fazit: KI-Kompetenz ist eine dauerhafte Fähigkeit

Der EU AI Act macht KI-Kompetenz zur Pflicht. Der eigentliche Mehrwert entsteht aber erst, wenn Organisationen daraus eine dauerhafte Fähigkeit machen: mit rollenbezogenem Lernen, klaren Regeln, zugänglichem Wissen und fachlicher Unterstützung. So wird aus einer gesetzlichen Anforderung die Grundlage für einen sicheren und verantwortungsvollen KI-Einsatz.

Westernacher-Solutions – KI-Kompetenz

KI-Kompetenz – eine Schulung allein reicht nicht aus

Häufige Fragen zur KI-Kompetenz nach dem EU AI Act

Anbieter und Betreiber von KI-Systemen sollen nach bestem Wissen und Gewissen Maßnahmen ergreifen, damit beteiligte Personen ein angemessenes Maß an KI-Kompetenz besitzen. Umfang und Tiefe richten sich nach Rolle, Erfahrung, System und Einsatzkontext.

In der Regel nicht. Systeme, Risiken und Vorgaben verändern sich. Organisationen sollten Wissen deshalb regelmäßig auffrischen, rollenbezogen vertiefen und durch Dokumentation sowie erreichbare Fachleute ergänzen.

Alle Personen, die KI-Systeme im beruflichen Kontext nutzen, entwickeln, bereitstellen, betreiben oder beaufsichtigen, benötigen passende Kenntnisse. Das erforderliche Niveau unterscheidet sich je nach Aufgabe und Risiko.

Sinnvoll sind dokumentierte Rollen- und Bedarfsanalysen, Schulungsinhalte, Teilnahme- oder Lernnachweise, aktuelle Leitlinien sowie festgehaltene Maßnahmen zur Auffrischung und fachlichen Unterstützung.

Dr. Maria Börner

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Maria Börner

AI Competence Center Lead

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